KATJA WROBEL             WEGE IN DIE SELBSTERMÄCHTIGUNG          
PRAXIS FÜR PSYCHOTHERAPIE

Hochbegabung 

Neurodivergenz, Teil-, Hochbegabung, Scannerpersönlichkeit


Was bedeutet Hochbegabung?
Hoch- oder Vielbegabung beschreibt eine überdurchschnittlich hohe intellektuelle Leistungsfähigkeit. In der Regel wird diese durch anerkannte Intelligenztests (z. B. WAIS-IV) gemessen. Dabei gilt ein IQ von 130 oder höher – das trifft auf etwa 2 % der Bevölkerung zu – als hochbegabt.
Klassische Intelligenztest erfassen im Intelligenzprofil unter anderem:

  • Sprachverständnis
  • Logisches Denken
  • Arbeitsgedächtnis
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit

Nach Gardner gibt es weitere Begabungsbereiche, die in klassischen Intelligenztestverfahren i.d.R. nicht erfasst werden, doch ebenso relevant erscheinen:

  • intra- und interpersonelles Verständnis
  • spirituelles Verständnis
  • sensorische Wahrnehmung (z.B. auditiv, kinästhetisch, visuell, taktil, u.a./ s.a. Dabrowskis Theorie der overexcitabilities)


Herausforderungen bei Hochbegabung
Hochbegabte Menschen verfügen über ein großes Entwicklungspotenzial und Ausdrucksfähigkeit in verschiedenen Bereichen. Wird dieses Potential erkannt und gefördert, können daraus beruflicher Erfolg, Lebensfreude und persönliche Erfüllung erwachsen. Wenn Teil- oder Hochbegabung unentdeckt bleibt, können verschiedene Belastungen entstehen, beispielsweise:

Komplexes Denken, Imaginationsneigung & innere Unruhe
Schnelles, mehrdimensionales und unermüdliches Denken, Vorstellungsvermögen und Phantasie können eine große Stärke sein, aber auch belasten: Wenn der Kopf nicht abschaltet, viel gegrübelt, angezweifelt, geprüft oder überanalysiert wird, fällt Abschalten oft schwer. Diese innere Geschäftigkeit kann zu dauerhafter Anspannung und Unruhe führen, die erschöpft.


Underachievement & Impostersyndrom: Unterforderung trotz Potenzial

Trotz Potential zeigen manche Hochbegabte in Schule oder Beruf nicht die Leistungen, die ihrem Potenzial entsprechen (Underachievement), trauen sich bestimmte Herausforderungen nicht zu oder werten Erfolge ab (Imposter-Syndrom). Gleichzeitig wird ein hoher Anspruch und Perfektionsdruck erlebt und das nicht Erreichen von Zielen ist mit Frustration, Prokrastination und Rückzug verbunden.


Gefühl des Andersseins & geringes Selbstwertgefühl
Viele Teil- und Hochbegabte berichten ein Gefühl des Anders sein seit frühster Kindheit. Wenn dieses Anderssein nicht einordenbar ist, können Identitätsprobleme, Selbstzweifel und seelische Erkrankungen entstehen. Der Versuch, sich anzupassen oder die eigenen Stärken zu verstecken, kann dazu führen, sich von sich selbst zu entfernen.


Soziale Konflikte & Ausgrenzung
Ein starker Gerechtigkeitssinn, ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Tiefe oder das kritische Hinterfragen von Regeln können zu Konflikten mit anderen führen. In Kita, Schule oder Freundeskreis werden hochbegabte Kinder nicht selten als besserwisserisch oder anders abgestempelt, zeitweise auch gemobbt. Erwachsene haben manchmal Probleme, sich in Teams einzufügen, ihren Platz in Freundesgruppen zu finden, was bei einem Wunsch nach Verbundenheit als schmerzhaft erlebt wird.


Warum spezifische Psychotherapie bei Hochbegabung?
In der Psychotherapie können hochbegabungsspezifische Herausforderungen verstanden und integriert werden. Mögliche Themen können sein:

  • Erkennen & Akzeptieren der eigenen Hochbegabung
  • Verstehen persönlicher Problemlagen im Kontext der Begabung, z.B. im zwischenmenschlichen Bereich
  • Fördern von Selbstwert & emotionaler Stabilität
  • Begleitung beim Umgang mit innerer Unruhe, sozialer Isolation oder beruflicher Unzufriedenheit
  • Identifikation von Stärken & Ressourcen

Neurodivergenzgruppe - Begabungsgruppe
Hier kommen Menschen mit diagnostizierter oder vermuteter Teil- oder Hochbegabung zusammen. Es können Überscheidungen zu anderen Formen der Neurodivergenz vorliegen, beispielsweise AD(H)S, Autismusspektrums-Störung, Hochsensitivität, LRS. Mögliche Fragen können sein:

  • Was bedeutet das Erleben der Begabung und erweiterten Wahrnehmungs- und Denkfähigkeit für mich im Leben?
  • Was sind meine Stärken und Ressourcen, wie möchte ich Sie in die Welt bringen?
  • Wie geht es anderen Verbündeten mit ihren Erfahrungen?
  • Was gehe ich mit späterkannter Begabung um? Was bedeutet dies in der Rückschau auf meine Biografie? Was für die Gegenwart und Zukunft?
  • Wie kann ich mein Potenzial ausschöpfen, meinen Lebensweg gehen?
  • Wie ordne ich Biografiebrüche, Unterforderung, Überforderung und andere Herausforderungen ein?
  • Will ich mich diagnostizieren lassen?
  • Wie kann ich zufriedenere Beziehungen führen?


Mein Bezug zu Neurodivergenz
Aufgrund eigener Zugehörigkeit zum neurodivergenten Spektrum sowie mit praktischen Lebenserfahrungen mit neurodivergenten Angehörigen, setze ich mich seit vielen Jahren privat und auf professioneller Ebene mit Hochsensibilität, AD(H)S, Autismusspektrumsstörungen sowie Scannerpersönlichkeit/ Begabung auseinander.
Ein Grundscreening der verschiedenen Neurodivergenzen kann in der Praxis stattfinden.
In der Begleitung von neurodivergenten Menschen macht es mir Freude, die o.g. Lebensfragen zu erforschen.
Für vertiefte Diagnostik verweise ich auf KollegInnen.
In 2025 habe ich bei der Fortbildung von Frauke Niehues zum Thema Hoch- und Teilbegabung teilgenommen. Seitdem bin ich regelmäßig in Fachaustausch mit KollegInnen und in das Kompetenznetzwerk eingebunden.